Poetry, Musik und Kunst am Gasthausplatz

Freitag, 22. September 2017. Das Ereignis. Malina Spieker / Ariyan Simo / Lennart Brauwers / Luca Tenhumberg / Reinhard Schlusemann / Achim van Nörden / Ingo Krasenbrink. Videos und Fotos. Bis zum nächsten Mal.

nr: 55 der SeptemberKunst Route

Kunstprojekt von
Ingo Krasenbrink und Achim van Nörden
im Rahmen der SeptemberKunst 2017,
vom 16. bis 24. September.

 

PoeTrees ist das einzige Bocholter Projekt im Rahmen der Septemberkunst 2017,
das sich als Kunst im öffentlichen Raum verstehen lässt.
Ereignisort ist der Gasthausplatz.
Das Projekt umfasst die Installation von acht Kunstobjekten, eine Bürgerbefragung unter Einbindung der anliegenden Geschäfte und Restaurants sowie eine Veranstaltung auf dem Platz.
PoeTrees wird unterstützt von der Stadt Bocholt und der Werbegemeinschaft Liebfrauenviertel.

 

Aktion: Anregende und aufregende Kunst im öffentlichen Raum

Wehende Worte und die Schönheit der Schrift sind der Anfang der Idee. Um unseren Bocholter Gasthausplatz anregend, aufregend und ausdrucksvoll zu dem zu verwandeln, was er sein kann:

Ein lebendiges und schönes Zentrum unserer Stadt.

Die Veranstaltung Septemberkunst, die im Bocholter Stadtgebiet an vielen Punkten präsent ist, erscheint uns als ein geeigneter Rahmen, quasi mittendrin und öffentlich die Verbindung von Kunst und städtischem Leben aufzuzeigen.
PoeTrees soll dabei keine Momentaufnahme bleiben, sondern will die Bedeutung des Gasthausplatzes bewusstmachen und einen Diskurs über dessen Zukunft anregen.

Ort: Zukunftsorientierter zentraler Treffpunkt

Angesichts der stetig wachsenden Zahl an Einkäufern und Dienstleistungsnutzern per Internet muss die Innenstadt, wenn sie lebendiger Mittelpunkt der Kommune bleiben soll, eine besondere Attraktivität bieten. Der persönliche, nicht-virtuelle Austausch ist ihre Stärke und Chance.

Eine die Menschen „lockende“ Innenstadt muss ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechen, damit sie sich gerne hier aufhalten. Ein aktueller Ansatzpunkt dafür ist die beabsichtigte Überplanung des Gasthausplatzes im Rahmen des Innenstadtkonzeptes.

Der Gasthausplatz, derzeit überwiegend funktionale Fläche für den Wochenmarkt und zeitweilig für das Abstellen von Pkw, hat vor diesem Hintergrund insbesondere aufgrund seiner Zentralität in zunehmendem Maße besondere Bedeutung für die innerstädtische Entwicklung.
Vor allem durch das Marktgeschehen und das gesteigerte gastronomische Angebot ist er ein Ort der Begegnung und der Kommunikation, der aber zu optimieren wäre.

Über Gestaltungsfragen hinausgehend bedarf die Zielsetzung Attraktivität eines permanenten Prozesses belebender Aktionen.

Befragung: Wünsche und Ideen

Die Bürgerinnen und Bürger, die den Gasthausplatz aufsuchen und zukünftig aufsuchen sollen, sollten zuerst zu Wort kommen, frei ihre Ideen und Wünsche äußern, bevor ihnen praktisch fertige Pläne vorgesetzt werden. Zu diesem Zweck haben wir einen kleinen Fragebogen entwickelt, der während der zweiwöchigen Septemberkunst-Phase in den umliegenden Geschäften und Restaurants des Platzes ausliegt. Kunden und Gäste sollen ihn mit wenigen Kreuzchen und/oder Anmerkungen versehen, und am Ende werden wir über das Ergebnis mit Stadtplanern und der Werbegemeinschaft sprechen, es veröffentlichen und zur Diskussion darüber einladen.

Objekte: Fahnen an Bäumen

Die Wortschöpfung PoeTrees, zusammengesetzt aus „Poetry“ und „Tree“, weist auf die Kunstobjekte hin, die im Mittelpunkt des Projektes stehen: Acht große Fahnen, 180 x 260 cm, die mit kurzen, künstlerisch interpretierten Texten sehr unterschiedlich gestaltet sind und in den Kronen von acht den Platz einrahmenden Platanen hängen.

Texte: Spiel mit Worten

Die Texte auf den Fahnen stammen von Achim van Nörden und kennzeichnen den Gasthausplatz, seine Eigenschaften und seine Bedeutung.

Für eine der Längsseiten des Platzes hat er das zusammengesetzte Wort Gasthausplatz in seine drei Teile aufgelöst, die sich, auf drei Fahnen verteilt, in zwei ineinander verschränkten Sätzen wiederfinden: Sei Gast – in meinem Haus – ist für dich Platz.

Auf weiteren Flächen wird der Wochenmarkt in gereimter Stenoform skizziert, wird die Funktion des Platzes als Gerüchteküche ironisiert oder seine Verwandlung an lauen Sommerabenden in eine italienische Piazza des „süßen Lebens“ thematisiert.

Septemberkunst ist eine niederländisch-deutsche Veranstaltung, und so gibt es auch einen holländischen Text, der das spezielle und doch normale „Verhältnis“ zueinander wie in einer Paarbeziehung spiegelt.

Auf unterschiedliche Weise spielen die Texte mit Gereimtem und Ungereimtem zwischen Ein- und Mehrdeutigkeit, sind mal liebevoll humorig, mal direkt, mal ironisch und etwas hintergründig, mal Kalauer-Spruch, mal poetisch angehaucht. Auch der Projekt-Titel PoeTrees ist in diesem Sinne ein mit einem Augenzwinkern zu betrachtendes Wortspiel.

Bildsprache: Schriftbilder mit Überraschungen

Die typografische Form auf den Fahnen, die der Grafiker, Fotograf und Typograf Ingo Krasenbrink gestaltet hat, interpretiert und verstärkt den Text.

Trotz des thematischen Zusammenhanges ist jedes Motiv davon für sich genommen ein Einzelobjekt.

Das Spiel mit Worten setzt sich hier fort im gestalterischen Spiel mit Buchstaben und Schrifttypen verschiedenster Art.
So entstehen „Schriftbilder“, die in Verbindung mit Farbgebung und grafischen Elementen unterschiedliche Erinnerungen und Emotionen auslösen.

Auch das Spiel der kleinen Überraschungen, das der Text mit seinen Leserinnen und Lesern treibt, findet seine Entsprechung.
Etwa indem der den Platz prägnant skizzierende Vers „Tratschen Trinken Käse Schinken …“ in Form einer Las-Vegas-Show-Werbung in einem amerikanischen Desert-Look erscheint: Artists Starring: Krasenbrink & van Nörden.

Und die stark gefühlsbesetzte Projektion des italienischen Dolce Vita auf den „Bokeltsen“ Platz erfährt ihre vollendete Ironisierung durch die kontrovers, römisch-klerikal und zerrissen anmutende Schrift – das Rot der italienischen Fahne aufnehmend.

Die deutsche kaiserreichshafte Frakturschrift in niederländischem Rot/Orange und dahinter beschwingte, leichtfüßige Schreibschrift vor holländischem küstenblauem Hintergrund gibt einen Deutungshinweis für den niederländischen „Liebestext“.

Großzügige Gastlichkeit spricht aus der beschwingten Umsetzung der kleinen Gast-Haus-Platz-Trilogie. Und Aufregung lässt die aufbrausende Typogestaltung der „Gerüchte“ vermuten. Aber die dahinter liegenden Tischdeckenmuster holen einen rasch zurück zu den gastfreundlichen Gerichten.

Ziel: Wir machen unsere Stadt – fair und mit Spaß

PoeTrees ist nicht nur Kunst und Spiel um ihrer selbst willen. Die spielerische Form des Projekts fordert dazu auf, den  beabsichtigten Diskurs über die Zukunft des Gasthausplatzes bei allen natürlichen Interessensunterschieden fair und gemeinschaftlich orientiert zu führen, die Gestaltung der Stadt sachlich, aber auch mit Spaß und Freude anzugehen.

Das haben wir uns und allen Bocholtern auf die Fahnen geschrieben.
        Ingo Krasenbrink, Achim van Nörden
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Beginn: 16.09.2017
Ende der Septemberkunst: 24.9.2017
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Mail: poetrees@septemberkunst.de
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Freitag, 22. September. Das Ereignis.

Musik + Poetry am Gasthausplatz

Malina Spieker / Ariyan Simo /
Lennart Brauwers /
Luca Tenhumberg /
Reinhard Schlusemann / Achim van Nörden / Ingo Krasenbrink

Bunte Fahnen am Gasthausplatz in Bocholt laden ein zu PoeTrees, ein Septemberkunst-Projekt der beiden Künstler Ingo Krasenbrink und Achim van Nörden.

Am Freitag präsentierten dort Lennart Brauwers (Gitarre), Luca Tenhumberg (Gesang), Achim van Nörden sowie Malina Spieker und Ariyan Simo, von Poetry-Slam-Veranstaltungen in der Region bekannt.

Von 19 bis 20 Uhr eine kleine, fein inszenierte „Lesung mit Musik“. Wünsche zur Neugestaltung des Platzes können dabei eingereicht werden.